Samstag, 10. April 2010

Rent-seeking und Google

Üblicherweise wird von Akteuren einer Wirtschaft erwartet, unternehmerisch und produktiv nach einem Leistungseinkommen zu streben ("profit-seeking"). Die Alternative dazu lautet "rent-seeking", also der Versuch private Vorteile durch staatliche Regulierung oder ähnliche Maßnahmen zu erwirken (durch das bekannte "Lobbying"). Dieses Besitzstandsdenken kommt meist bei Industriezweigen auf, deren Umsatz (oder gar Existenz) durch wirtschaftlichen Strukturwandel bedroht wird. Im Moment scheit es, als ob Google das Ziel derartiger Maßnahmen wird.

Obwohl kaum älter als ein Jahrzehnt, ist Google derzeit eine der profitabelsten Firmen der Welt. Im letzten Quartal 2009 lag der Umsatz laut Google bei 6,67 Milliarden Dollar, und das obwohl die Firma praktisch alle Dienste für den Endverbraucher kostenlos anbietet. Den Hauptumsatz macht Google bekanntlich mit Werbung, die neben Suchergebnissen eingeblendet wird. Der Inhalt der Suchergebnisse stammt natürlich nicht von Google, sondern aus dem Web, und die Anbieter einiger dieser Inhalte verbittert es enorm, wieviel Geld Google damit verdient.

Gemeint sind die Zeitungsverlage, die auf der einen Seite ihre Inhalte kostenlos ins Internet stellen, sich dann aber beschweren, dass andere auf diese Inhalte verlinken und (im Falle Googles) Geld verdienen. Statt ihre Inhalte für den Google Suchroboter zu sperren, bis man sich auf eine Entlohnung für die Nutzung der Inhalte geeinigt hat, lassen die Verleger die Tore ihrer Webseiten weit offen, und versuchen stattdessen über den Umweg eines "Leistungschutzrechts" gesetzlich eine Subvention zu verankern. Rent-seeking par excellence.

Etwas ähnliches versuchen derzeit US-amerikanische Fotografen. Sie reichten beim US-Bundesbezirksgericht im Southern District of New York Klage gegen Google Books ein, doch verlangen nicht etwa die Entfernung ihrer Werke, sondern eine "angemessene finanzielle Entschädigung".

Zumindest im Falle eines deutschen Leistungsschutzrechtes kann man doch einmal ein mögliches Szenario durchspielen. Sollte Google demnach verpflichtet werden, für jeden Link (!) auf eine Verlagsseite zu zahlen, werden sie diese Seiten kurzerhand aus dem Suchindex streichen. Spätestens dann dürfte den Verlagen aber bewusst werden, dass ihnen Google wesentlich mehr nützt als schadet, indem es täglich Millionen von Besucher auf die diversen Seiten lenkt. Am Ende zahlen dann vielleicht die Verlage dafür, bei Google gelistet zu sein, statt umgekehrt.

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