Mittwoch, 5. Mai 2010

Die bösen Rating-Agenturen II

Mit Thomas Straubhaar stimmte heute der nächste Volkswirt in das allgemeine Bashing gegen Rating-Agenturen ein. Der Direktor des Hamburger HWWI, der im Februar 2009 schon für 2010 die "Horror-Inflation" kommen sah, erklärt bei SPIEGEL Online, "warum Rating-Agenturen verramscht werden müssen":

Griechenland ist der Beweis: Rating-Agenturen verschärfen Krisen, statt sie zu verhindern.

Ist es denn die Aufgabe der Rating-Agenturen, Krisen zu verhindern?

Sie sehen Krisen nicht im Voraus und sie reagieren nur im Nachhinein.

Anders ausgedrückt: die Situation eskaliert, und dann reagieren die Agenturen.

Zudem droht die Gefahr, dass die von ihnen verbreiteten Informationen Krisen erst verursachen.

Also gilt jetzt: die Rating-Agenturen erkennen die Probleme, justieren ihre Bewertungen neu, und dann eskaliert die Situation. Ja was gilt denn nun? Reagieren die Agenturen bloß auf die Märkte, oder treiben sie sie vor sich her?

Letztlich ist nur eine Entmachtung der Rating-Agenturen zielführend. Die Rating-Agenturen dürfen für die Entscheidungsbildung auf den Kapitalmärkten nicht mehr die herausragende Rolle spielen wie in der Vergangenheit. Ihre Urteile sollen nur noch zu einer Meinungsäußerung von mehreren werden, auf die hören mag, wer will.

Und wie ist es aktuell? Wird irgendwer gezwungen, sich an den Bewertungen der Agenturen zu orientieren?

Zur Entmachtung gehört auch eine Zerschlagung des bestehenden Oligopols.

Und zu was führt das dann? Wenn wir ein paar dutzend kleine Agenturen haben, wird am Ende jede Bank ihr eigenes Institut für Gefälligkeitsgutachten halten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen