Freitag, 26. November 2010

Fiskalunion oder Auflösung

Wall Street Journal Autor Terence Roth trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt, die Eurozone stehe langfristig nur vor der Wahl zu einer Fiskalunion zu wachsen, oder sich aufzulösen.

European leaders from Angela Merkel to Nicolas Sarkozy have sworn they will do anything needed to keep the euro project alive. Before long, it's a promise that must lead to something close to what early euro-skeptics foresaw from the start: a European fiscal union.

The alternative would be years of economic pain and social instability among weaker euro-zone countries, with recurrent bouts of speculation that the currency system will self-destruct.


Die Fiskalunion ist die einzige Option, wenn man den Euro erhalten will (und den Erhalt hat Merkel ja zur obersten Priorität erklärt).

Wenn man diese Union nicht will, bleibt als Alternative nur die Auflösung des Euro, bzw. die Reduzierung des gemeinsamen Währungsraums auf homogenere Länder (Deutschland, Niederlande, Österreich).

Mittwoch, 24. November 2010

Ende des Wachstums?

Im Deutschlandfunk diskutierten am vergangenen Freitag ein Soziologe und zwei Publizisten über ein ökonomisches Thema, von dem offenbar keiner der drei eine Ahnung hatte. Das Thema lautete "Kultur der Ökonomie oder Wandel ohne Wachstum", und hätte Stoff für eine interessante Debatte liefern können, hätten die Redakteure vom Deutschlandfunk nicht drei Diskutanten geladen (Gertrud Höhler, Mathias Greffrath, Meinhard Miegel), die nahezu immer d'accord sprachen.

Alle drei waren sich sofort einig, dass die Zeiten von Wirtschaftswachstum vorbei seien. Die dadurch implizierte Frage, ob die Menschheit damit ihren historischen Peak erreicht hat und sich von jetzt an Richtung Steinzeit zurückentwickelt, ließen sie offen. Ihre Schlussfolgerung zogen sie aus einer altertümlich marxistischen Vorstellung von Wirtschaftswachstum, das quasi nur dann möglich sei, wenn stetig mehr Rohstoffe in die Produktion flössen, was ihrer Meinung nach nicht ginge.

Leider ignorieren sie dabei, dass Wachstum auch durch das Gegenteil möglich ist. Ein Hersteller, der ein der Konkurrenz vergleichbares Produkt mit weniger Input herzustellen vermag, wächst auch, und wird seine Konkurrenz vom Markt verdrängen. Besonders augenfällig ist hier das Beispiel der Computerindustrie: die Prozessoren werden permanent kleiner und stromsparender, und trotzdem wird dadurch nicht etwa das Wachstum reduziert, sondern im Gegenteil.

Wenn man die Ökonomie als Prozess versteht, der die Herstellung und Verteilung knapper Ressourcen effizient organisiert, dann besteht solange Wachstumspotential, wie es Effizenzsteigerungsmöglichkeiten gibt. Ein Ende des Wachstums ist aus heutiger Sicht nicht erkennbar.

Donnerstag, 18. November 2010

Burda über den Nutzen Googles

Nach Mathias Döpfner hat nun auch Hubert Burda seine Unkenntnis von Technik und ökonomischen Zusammenhängen unter Beweis gestellt. Auf dem Jahreskongress des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger gab er zu Protokoll, Google und Apple würden "die teuren Inhalte der Verlage ohne ausreichende Bezahlung" nutzen. Nichts könnte falscher sein.

Zunächst einmal "nutzt" Google die Verlagsinhalte so viel oder wenig wie eine Fernsehzeitung die Inhalte der TV-Sender "nutzt". Nämlich gar nicht. Google verweist auf die Verlagsinhalte, lenkt seine täglich Millionen von Benutzer auf diverse Zeitungswebsites, und nutzt den Verlagen damit mehr als es ihnen offenbar begreiflich ist.

Und Apple liefert den Verlagen eine ausgebaute Platform zum Vertrieb ihrer Inhalte, die ihnen nicht weniger (eher mehr!) wert sein sollte als der herkömmliche Vertriebsweg über die Kioske. Wie lange wird es noch dauern, bis die Verlagshäuser das begreifen?

Nachtrag: monkeypenny hat mal lesenswert kommentiert, wie sehr die Verleger der Realität hinterher hinken.