Mittwoch, 24. November 2010

Ende des Wachstums?

Im Deutschlandfunk diskutierten am vergangenen Freitag ein Soziologe und zwei Publizisten über ein ökonomisches Thema, von dem offenbar keiner der drei eine Ahnung hatte. Das Thema lautete "Kultur der Ökonomie oder Wandel ohne Wachstum", und hätte Stoff für eine interessante Debatte liefern können, hätten die Redakteure vom Deutschlandfunk nicht drei Diskutanten geladen (Gertrud Höhler, Mathias Greffrath, Meinhard Miegel), die nahezu immer d'accord sprachen.

Alle drei waren sich sofort einig, dass die Zeiten von Wirtschaftswachstum vorbei seien. Die dadurch implizierte Frage, ob die Menschheit damit ihren historischen Peak erreicht hat und sich von jetzt an Richtung Steinzeit zurückentwickelt, ließen sie offen. Ihre Schlussfolgerung zogen sie aus einer altertümlich marxistischen Vorstellung von Wirtschaftswachstum, das quasi nur dann möglich sei, wenn stetig mehr Rohstoffe in die Produktion flössen, was ihrer Meinung nach nicht ginge.

Leider ignorieren sie dabei, dass Wachstum auch durch das Gegenteil möglich ist. Ein Hersteller, der ein der Konkurrenz vergleichbares Produkt mit weniger Input herzustellen vermag, wächst auch, und wird seine Konkurrenz vom Markt verdrängen. Besonders augenfällig ist hier das Beispiel der Computerindustrie: die Prozessoren werden permanent kleiner und stromsparender, und trotzdem wird dadurch nicht etwa das Wachstum reduziert, sondern im Gegenteil.

Wenn man die Ökonomie als Prozess versteht, der die Herstellung und Verteilung knapper Ressourcen effizient organisiert, dann besteht solange Wachstumspotential, wie es Effizenzsteigerungsmöglichkeiten gibt. Ein Ende des Wachstums ist aus heutiger Sicht nicht erkennbar.

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